In-Depth: Mock Draft Revisited (26. Apr. 2008)
Das beliebte Spiel in der Zeit vor der NFL Draft heißt Mock Draft. Das ist der Versuch, die echte Draft vorherzusagen bzw. selber zu draften. Das spannende daran ist, dass man sich zum einen mit den Collegespielern beschäftigen muss, die zur Draft zugelassen sind, und zum anderen mit dem Team, für das man draftet. Dabei steht immer die Frage im Raum: drafte ich den BPA (= best player available) oder drafte ich nach Need, also danach, auf welcher Position mein Team am dringendsten einen Spieler braucht.
Auf nfl-talk.net fand eine solche Mock Draft statt, und einige der hier registrierten Member sind auch auf nfl-talk.net unterwegs. Nachdem vor der letzten Draft Plummer50, frontmode, garrison20 und 49erChrisB die Diskussionen hier auf dem Board führten, allerdings ohne Beteiligung von anderen Membern, waren dieses Jahr alle eingeladen, ihre Meinungen, Wünsche, Einschätzungen und Vorschläge einzubringen, wen die 49ers denn draften sollen. Hier nun ein Überblick, wer von uns warum gedraftet wurde und welche Spieler zum jeweiligen Zeitpunkt noch zur Verfügung standen.
Runde 1 - OT Gosder Cherilus (Boston College) - 6'6 3/8'' - 314 lbs.
Es gab sehr heiße Diskussionen, ob an dieser Stelle Gosder Cherilus genommen werden sollte oder doch besser DE/OLB Quentin Groves. Hauptargument für Cherilus war, dass die O-Line der 49ers dringend ein Upgrade braucht, und Cherilus soll auf RT spielen. Mit 6'6 3/8'' bringt er sehr gute Maße mit. Vielleicht hat er ein paar kleinere Schwächen im Passblock, wenn es gegen Speed-Rusher geht. Aber er gilt als ein Spieler, den man sehr gut coachen kann und der ein echter Teamspieler ist.
Als Runblocker ist er, da sind sich wohl alle einig, ein hervorragender Spieler. Ihm kommt sicher auch zugute, dass sein College (Boston College) bekannt dafür ist, gute O-Liner zu entwickeln. Er wird wohl nie ein guter LT sein, aber das muss er ja nicht, da die Niners davon überzeugt sind, in Joe Staley (Erstrundendraftpick 2007) ihren LT der Zukunft gefunden zu haben. Und Cherilus ist ein Musterbeispiel für einen Spieler, dem man zutraut, eine lange und produktive Karriere zu haben. Wenn man ihn denn richtig einsetzt, also auf RT.
Die wichtigsten Bedenken, die gegen Cherilus geäußert wurden: diverse Scoutingberichte erinnerten einige von uns etwas an OT Kwame Harris (inzwischen bei den Raiders), insbesondere der Teil mit gutem Run- und schwächerem Passblocking. Daneben gab es aber auch mit Quentin Groves einen sehr interessanten Spieler. Mit ihm hätte der Pass Rush der 49ers in der ersten Runde der Draft ein ebenfalls dringend benötigtes Upgrade erhalten. Letztlich entschied wohl der etwas drängendere Need auf O-Line für Cherilus. Zwar sind die Starter wohl gesetzt (LT Joe Staley, LG Adam Snyder, C Eric Heitman, RG David Baas, RT Jonas Jennings), aber die Depth ist doch mehr als dürftig, vor allem angesichts der Verletzungsanfälligkeit von Jennings.
Wir sind uns sicher, dass die 49ers in der Draft entweder in der ersten und/oder in der zweiten Runde einen O-Liner nehmen, und nachdem Cherilus im Senior Bowl spielte dürfte er, falls verfügbar, ein ganz heißer Kandidat für die 49ers sein.
Es gab noch andere Spieler, die grundsätzlich zur Auswahl standen, bzw. die von diversen Members ins Spiel egbracht wurden. Besonders WR DeSean Jackson (Cal) hatte es einigen angetan. Und auch OG Branden Albert (Virginia) hätte hervorragende Chancen gehabt, von uns gedraftet zu werden. Beide waren aber an #29 nicht mehr verfügbar. Albert ging an #21 an die Redskins, und Jackson landete mit Pick #22 bei den Cowboys. In unseren Überlegungen spielten andere WR oder auch andere Positionen, was den Erstrundenpick angeht, keine große Rolle. Ein weiterer, sehr interessanter Spieler wäre noch CB Antoine Cason (Arizona) gewesen, aber der war bereits mit Pick #18 von den Texans gedraftet worden.
Runde 2 - OLB Cliff Avril (Purdue) - 6'2 7/8'' - 253 lbs.
Ganz anders als mit dem Pick in Runde 1 lief es mit unserem Zweitrundenpick. Zwar waren auch hier zunächst recht viele Namen im Gespräch: DT Trevor Laws (Notre Dame), LB Philip Wheeler (Georgia Tech), WRs James Hardy (Indiana), Andre Caldwell (Florida) und Devin Thomas (Michigan State), OLB Cliff Avril (Purdue) sowie DE Calais Campbell (Miami). Auch ein Downtrade wurde erwogen, aber leider gingen die Spieler, die von möglichen Tradepartnern ins Auge gefasst wurden, zu früh weg.
Gerade die Diskussionen um einen WR an dieser Stelle zeigten, wie unterschiedlich diese Draftklasse auf WR bewertet wird. Diese Differenzen in den Einschätzungen ließen einen Spieler dann rcht schnell in den Folkus des Interesses gelangen: OLB Cliff Avril. Zwar gibt es auch bei ihm, wie bei fast allen Spielern, einige weniger euphorische Stimmen. Aber seine Arbeitseinstellung, seine Intelligenz und seine Athletik machen ihn für mehrere Beobachter zu einem potenziellen Pro Bowler, wenn er in einer 3-4 als Pass Rushing OLB spielt. Seine Stärke liegt nämlich eindeutig im Pass Rush, und da brauchen die 49ers ein Upgrade. Sowohl die letztjährige FA-Erwerbung Tully Banta-Cain als auch Parys Haralson (Fünftrundenpick 2006) zeigten bisher zu wenig, und ein Upgrade ist von daher dringend erforderlich.
Avril gilt jedoch nicht nur als hervorragender Pass Rusher, sondern auch als ein Spieler, der sehr schnell lernt, und der demzufolge früh in der Lage sein dürfte, sowohl gegen den Lauf gut zu spielen als auch z.B. einen TE zu covern. Ihm schadete sicher auch nicht, dass sein College (Purdue) auch als Schmiede für gute LB gilt. Diese Einschätzung war es dann auch, die den "Verlust" von DE/OLB Quentin Groves (ging an #30 an die Jets) weniger schlimm aussehen lässt.
Runde 3 - WR Donnie Avery (Houston) - 5'11'' - 192 lbs.
Mit OT Gosder Cherilus und DE/OLB Cliff Avril hatten wir bereits zwei große Needs des Teams bedient -- Offensive Line und Pass-Rush.
Unser Board in Runde drei war breit gefächert von Offensive Linemen wie Mike McGlynn und John Greco, über Inside Linebacker wie Patrick Wheeler oder Beau Bell, bis hin zu Defensive Linemen wie Red Bryant und Ahtyba Rubin. Wide Receiver Andre Caldwell war ebenfalls hoch im Kurs, aber wurde uns kurz bevor wir zum Zug kamen weggeschnappt.
Als dann der Scouting Report über Wide Receiver Donnie Avery von NFL Draft Scout die Runde machte, fanden viele ihren Pick.
Grundsätzlich werden Avery in allen Scouting Berichten sein Top-Speed -- die 40-Yard Dash lief er in 4,34 Sekunden --, seine guten Hände und Fähigkeiten als Returner angerechnet. Auch seine Produktivität spricht für ihn -- in seinem Senior-Year hatte er 91 Catches für 1456 Yards und 7 Touchdowns.
Seine größte Stärke dürfte Wirklich darin liegen, Bälle zu fangen. Er attackiert Bälle und soll diese nur sehr selten nicht mit den Händen fangen. Seine Athletik und Sprungkraft machen ihn außerdem zu einer Deep Threat, da er tiefe Bälle sehr gut einschätzt und sie oft an ihrem höchsten Punkt aus der Luft pflückt.
Allerdings sieht z.B. Scott Wright von nfldraftcountdown.com physische Schwächen. Er meint, dass Avery Probleme mit aggressiven und körperlich starken Defensive Backs in der NFL Probleme haben könnte. Er soll auch nicht gerne über die Mitte gehen und Hits von Safeties oder Linebackern einstecken, und wenige Yards nach dem Catch produzieren. Blocking zählt ebenfalls nicht zu seinen Stärken, wobei das FO der 49ers gerade auf solche Tugenden wertlegt. Mehrere Scouts kreiden ihm auch an, dass er keine besonders guten Routen läuft.
Der Scouting Report der Sporting News sieht bei ihm jedoch Upside und besagt, dass er, sobald er etwas an Muskelmasse zugelegt hat, ein adäquater Blocker sein und keine Probleme mit aggressiven Defendern mehr haben wird. Hier bekommt er im Gegensatz zu Wright, der Avery eher als Returner und #3 oder #4 Receiver sieht und in Runde drei ansiedelt, sogar ein First Round Grade.
Diskussionen ergeben sich bei diesem Pick nicht nur wegen Averys Physis und Routrunning, sondern auch wegen der WR-Situation der 49ers.
Das Team hat Momentan fünf Wide Receiver (#83 Arnaz Battle, #88 Isaac Bruce, #89 Jason Hill, #82 Bryant Johnson, #18 Ashley Lelie) unter Vertrag, von denen drei (Battle, Bruce und Bryant) ihren Platz auf dem Roster sicher haben.
Der letztjährige Drittrunder Jason Hill und der ehemalige Erstrundenpick Ashley Lelie verfügen beide über die Schnelligkeit, um gegnerische Defenses auseinanderziehen und den tiefen Ball zu fangen, wobei beide größer als Avery sind und zumindest Hill 5 kg mehr auf die Waage bringt. Insbesondere wenn man noch Vernon Davis mit seiner 4,38 in der 40 Yard Dash dazuzählt, bringt Avery also keine neue Dimension ins Receiving-Corps der 49ers.
Für ihn spricht aber letztenendes, dass die 49ers nur über einen alten Returner in Allen Rossum, der als Defensive Back wohl nur als absolute Notlösung das Feld sehen würde, verfügen, und Bruce, Johnson und Lelie nach der Saison 2008 alle nicht mehr beim Team sein könnten. Johnsons und Lelies Verträge laufen bereits 2009 wieder aus, und Isaac Bruce ist mit seinen bald 36 Jahren und 15 NFL Saisonen schon am Ende seiner Karriere angelangt.
Mit Donnie Avery bekämen die 49ers also einen guten Returner mit Upside als Wide Receiver, auf Kosten eines Offensive oder Defensive Linemans mit Starterpotenzial.
Ein Pick für die Zukunft, der wegen der Situation um Mike Nolan, der dieses Jahr Ergebnisse liefern muss, eher unwahrscheinlich ist. Gegner gab es ebensoviele wie Befürworter im Team der Mockdraft, und so fiel, wegen Unfähigkeit der Gegner des Picks sich auf einen Mann festzulegen, die Wahl schließlich auf Donnie Avery.
Runde 4 - QB John David Booty (USC) - 6' 2 3/8'' - 218 lbs.
Nachdem wir in der dritten Runde Donnie Avery geholt hatten, aber eigentlich mindestens zwei Offensive Linemen aus dieser starken Klasse und einen Defensive Lineman mit Starterpotenzial wollten, befanden wir uns in Runde vier in einer Zwickmühle.
Unsere zwei topgerankten Offensive Linemen Mike McGlynn und John Greco waren ebenso vom Board wie die Defensive Linemen Red Bryant und Ahtyba Rubin mit denen wir schon in Runde drei geliebäugelt hatten.
Es drängten sich noch Inside Linebacker wie Beau Bell und Jonathan Goff auf, allerdings waren nicht alle der Meinung, dass diese Spieler aus Sicht der 49ers einen Viertrunder wert seien.
Einige des Draftteams hatten schon in der Runde zuvor mit der Idee Quarterback André Woodson zu draften gespielt, und so war es kein Zufall, dass die selben auch ihren Mann gefunden hatten, als der Name John David Booty von der USC fiel.
Zu Booty gibt es verschiedenste Scouting Berichte, wobei sich alle einig sind, dass er über keinen starken Arm verfügt. Angerechnet werden ihm jedoch sein Quick Release und seine präzisen Würfe.
Seltsamerweise scheiden sich die Geister einerseits über seine Wurfmechaniken, denn Scott Wright beispielsweise sieht diese als eine seiner Stärken, während Drew Boylhart gerade da Verbesserungspotenzial sieht, und auch einen Grund für seinen eher schwachen Wurfarm. Andererseits wirft Wright Booty vor, nicht gut unter Druck zu spielen und von starken Mitspielern profitiert zu haben, was Boylhart ganz gegenteilig sieht und extra hervorhebt, dass Booty eine Saison lang mit einer grottenschlechten Offensive Line, ohne Running Back und mit Freshman Wide Receivern zurechtkam. Laut Boylhart hatte Booty also weder großartige Unterstützung seiner Mitspieler, noch Probleme mit Druck umzugehen.
Uneinig sind sich beide außerdem bei ihrer Einschätzung von Bootys Stellung in der NFL. Wright sieht zwar die Möglichkeit, dass er ein NFL-Starter wird, hält ihn aber eher für einen guten Back-Up. Boylhart schlägt da schon eine ganz andere Richtung ein und sieht Booty mit Matt Ryan als einen der zwei Top-Quarterbacks dieser Draft.
Abseits dieser Informationen wirft sich natürlich die Frage auf, was ein Team wie die 49ers, das mit Alex Smith, Shaun Hill, J.T. O'Sullivan und Drew Olson insgesamt vier Quarterbacks unter Vertrag hat, von einem Rookie auf dieser Position hat.
Alex Smith steht ebenso wie Mike Nolan vor einem entscheidenden Jahr. Er muss eine starke Leistung bringen, oder ist zumindest bei den 49ers Geschichte. Aber selbst wenn er seine Karriere herumreißt, ist es nicht gesagt, dass er beim Club bleibt. 2009 zählt er bereits mehr als elf Millionen Dollar gegen das Salary Cap ein Jahr später werden es 13 sein. Man wird sich demzufolge nach der nächsten Saison von ihm trennen oder einen neuen Vertrag mit ihm aushandeln; dass dies auch gelingt ist nicht gesagt.
Shaun Hill hat als 6-Jahresveteran letzte Saison seine ersten Regular Season Snaps und Starts gehabt. Er hat auch öfters kleinere Verletzungen, die ihn beim Werfen behindern. Er gewann zwar zwei Spiele als die Saison für die 49ers gelaufen war, aber beide Male blieb er unter 200 Yards Passing und seine Yards pro Passversuch waren mit 5,1 und 7,0 auch nicht berauschend. Die Offense der 49ers sah im übrigen auch anders aus als zuvor und orientierte sich eher an kurzen Pässen. Sollte sich herausstellen, dass Smith der Franchise Quarterback ist, oder Hill bestenfalls zum Back-Up taugt, dürfte sein neuer Vertrag auch etwas zu hoch sein, um ihn zu behalten, zumal er nicht jünger wird.
J.T. O'Sullivan war letzte Saison noch ein Lion und nahm dort unter dem jetzigen 49ers Offensive Coordinator Mike Martz erstmals Regular Season Snaps. Mit seinem Rating von 48,2, lediglich 50% Completion Rate und nur 5,7 Yards pro Pass konnte er angesichts der starken WR in Detroit nur sehr bescheidene Zahlen liefern.
Drew Olson hat noch kein Down in der NFL gespielt und wird aller Vorraussicht nach gecuttet werden, und nicht zum Team zurückkehren, da er nicht mehr auf die Practice Squad kann.
Man sieht also, dass die 49ers im schlechtesten Fall im Jahre 2009 ohne Quarterback dastehen, und im besten mit einem teuren Starter mit fragwürdigen Back-Ups. Wie bereits erwähnt, haben die 49ers OC Mike Martz verpflichtet. Martz gilt als Quarterbackguru, und wenn es die drei unter ihm nicht schaffen, dann kann man annehmen, dass sie es wohl nie mehr werden.
Allerdings bietet sich gerade deshalb die Chance an, einen Quarterback mit Potenzial in einer der mittleren Runden zu draften, und diesen dann ein ganzes Jahr lang unter Martz nur an der Sideline zusehen, -hören und lernen zu lassen. Nach diesem Jahr kann man sich dann ein sehr gutes Bild von diesem Spieler machen. Das könnte es den 49ers ersparen, in der nächsten Draft wieder einen Quarterback in Runde eins draften zu müssen.
Gegen Booty sprachen natürlich die großen Needs in der Offensive und Defensive Line. Gerade weil dies Mike Nolans 'Do-Or-Die-Year' ist, dürfte es auch äußerst unwahrscheinlich sein, dass die 49ers tatsächlich diesen Weg einschlagen. Das Team braucht in dieser Hinsicht Soforthilfe in den Lines und da hätte man in der vierten Runde eventuell noch jemanden mit Starterpotenzial gefunden, und es hätte für die Saison 2008 vermutlich mehr gebracht, selbst wenn dies bedeutet hätte den entsprechenden Spieler etwas zu hoch zu draften.
Letztenendes konnten sich gleich viele Leute aus dem Mockdraftkommitee mit Booty und dem Konzept bzw. den Überlegungen dahinter überhaupt nicht anfreunden, wie es Befürworter gab, und so entschieden die eher neutralen, wie schon bei Donnie Avery, die Vorgehensweise.
Runde 6 - OG/OT Robert Felton (Arkansas) - 6'3 5/8'' - 315 lbs.
Mit dem fünften Draft Pick wollten wir erneut die großen Needs der 49ers adressieren. Und das waren auch nach den ersten vier Picks weiterhin die OLine und die DLine. In der OLine fehlte weiterhin ein guter Backup Guard und in der DLine fehlte die Depth auf der LE und auf der NT Position. Ein vernünftiger NT war allerdings auf dieser Position nicht mehr verfügbar. Somit ist die Entscheidung zwischen einigen Guards und einigen 3-4 DEs gefallen. Als DEs wurden unter anderem Keilen Dykes, Nick Hayden und Carlton Powell diskuttiert. Bei den OLinern waren Kory Lichtensteiger, Breno Giacomini, Chester Adams, Robert Felton und Mike Gibson in der engeren Auswahl.
Die Wahl fiel schliesslich auf Robert Felton von der University of Arkansas. Felton glänzte im College vor allem als Run Blocker. In der Senior Bowl Woche hatte er im Passblock einige Probleme mit schnellen Defensive Lineman, aber als Run Blocker konnte er auch dort dominieren. Trotz der Schwächen im Passblock war er aus unserer Sicht der beste noch verfügbare Guard Prospect.
Runde 7 - DE/DT Marcus Dixon (Hampton) - 6'4'' - 292 lbs.
Bei einem Siebtrundenpick kann man eigentlich gar nicht viel falsch machen. Man sucht sich einen Need oder hat noch jemanden auf seinem Draftbord, der aus dem einen oder anderen Grund als interessanter Prospect gesehen wird. Ein so spät gezogener Spieler, der es wirklich längerfristig ins Team schafft, ist ein echter Bonus.
Es standen daher Spieler unterschiedlicher Positionen zur Diskussion. Allerdings war schon in Hinterkopf, dass die O-Line bereits mehrfach adressiert wurde und die D-Line noch immer nicht vollständig zufriedenstellend besetzt ist.
Hier war bereits recht früh der Name Marcus Dixon in den Raum geworfen worden. Er spielte vier Jahre an der Hampton Univcersity, einem Div 1-AA (oder wie immer das jetzt neuerdings heißt) der Mid-Eastern Athletic Conference. Eigentlich hatte er ein Angebot von Vanderbilt aus der SEC, aber er wurde vor Beginn seines Scholarships zu zehn Jahren Gefängnis wegen angeblicher Vergewaltigung einer Minderjährigen veruteilt. Wie sich rausstellte, war es aber einvernehmlicher Sex und das Urteil wurde nach 15 Monaten aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Vanderbilt sein Angebot natürtlich zurückgezogen.
Was aber geblieben ist, ist sein Talent. Er ist ein harter Arbeiter und war einer der Leader der Pirates Defense. Darüber hinaus sind seine körperlichen Voraussetzungen ideal für das Defense-System der 49ers. Seine Stärken sind das Lesen von Plays und das Tackling.
Auf der anderen Seite ist seine Technik noch nicht ausgereift und ihm fehlt Erfahrung gegen die Top Spieler. Es ist aber zu hoffen, dass sein Talent durch gutes Coaching voll ausgenutzt werden kann.
Das Risiko, Dixon an dieser Stelle zu nehmen, ist gering. Außer dem einen Vorfall hatte er keine Probleme außerhalb des Footballfeldes und sein Talent rechfertigt eine Verpflichtung über die Draft.
Es ist aber noch unklar, ob er wirklich sofort einen Platz im Team bekommt oder er den steinigen Weg über die Practice Squad gehen muss.
Auf nfl-talk.net fand eine solche Mock Draft statt, und einige der hier registrierten Member sind auch auf nfl-talk.net unterwegs. Nachdem vor der letzten Draft Plummer50, frontmode, garrison20 und 49erChrisB die Diskussionen hier auf dem Board führten, allerdings ohne Beteiligung von anderen Membern, waren dieses Jahr alle eingeladen, ihre Meinungen, Wünsche, Einschätzungen und Vorschläge einzubringen, wen die 49ers denn draften sollen. Hier nun ein Überblick, wer von uns warum gedraftet wurde und welche Spieler zum jeweiligen Zeitpunkt noch zur Verfügung standen.
Runde 1 - OT Gosder Cherilus (Boston College) - 6'6 3/8'' - 314 lbs.
Es gab sehr heiße Diskussionen, ob an dieser Stelle Gosder Cherilus genommen werden sollte oder doch besser DE/OLB Quentin Groves. Hauptargument für Cherilus war, dass die O-Line der 49ers dringend ein Upgrade braucht, und Cherilus soll auf RT spielen. Mit 6'6 3/8'' bringt er sehr gute Maße mit. Vielleicht hat er ein paar kleinere Schwächen im Passblock, wenn es gegen Speed-Rusher geht. Aber er gilt als ein Spieler, den man sehr gut coachen kann und der ein echter Teamspieler ist.
Als Runblocker ist er, da sind sich wohl alle einig, ein hervorragender Spieler. Ihm kommt sicher auch zugute, dass sein College (Boston College) bekannt dafür ist, gute O-Liner zu entwickeln. Er wird wohl nie ein guter LT sein, aber das muss er ja nicht, da die Niners davon überzeugt sind, in Joe Staley (Erstrundendraftpick 2007) ihren LT der Zukunft gefunden zu haben. Und Cherilus ist ein Musterbeispiel für einen Spieler, dem man zutraut, eine lange und produktive Karriere zu haben. Wenn man ihn denn richtig einsetzt, also auf RT.
Die wichtigsten Bedenken, die gegen Cherilus geäußert wurden: diverse Scoutingberichte erinnerten einige von uns etwas an OT Kwame Harris (inzwischen bei den Raiders), insbesondere der Teil mit gutem Run- und schwächerem Passblocking. Daneben gab es aber auch mit Quentin Groves einen sehr interessanten Spieler. Mit ihm hätte der Pass Rush der 49ers in der ersten Runde der Draft ein ebenfalls dringend benötigtes Upgrade erhalten. Letztlich entschied wohl der etwas drängendere Need auf O-Line für Cherilus. Zwar sind die Starter wohl gesetzt (LT Joe Staley, LG Adam Snyder, C Eric Heitman, RG David Baas, RT Jonas Jennings), aber die Depth ist doch mehr als dürftig, vor allem angesichts der Verletzungsanfälligkeit von Jennings.
Wir sind uns sicher, dass die 49ers in der Draft entweder in der ersten und/oder in der zweiten Runde einen O-Liner nehmen, und nachdem Cherilus im Senior Bowl spielte dürfte er, falls verfügbar, ein ganz heißer Kandidat für die 49ers sein.
Es gab noch andere Spieler, die grundsätzlich zur Auswahl standen, bzw. die von diversen Members ins Spiel egbracht wurden. Besonders WR DeSean Jackson (Cal) hatte es einigen angetan. Und auch OG Branden Albert (Virginia) hätte hervorragende Chancen gehabt, von uns gedraftet zu werden. Beide waren aber an #29 nicht mehr verfügbar. Albert ging an #21 an die Redskins, und Jackson landete mit Pick #22 bei den Cowboys. In unseren Überlegungen spielten andere WR oder auch andere Positionen, was den Erstrundenpick angeht, keine große Rolle. Ein weiterer, sehr interessanter Spieler wäre noch CB Antoine Cason (Arizona) gewesen, aber der war bereits mit Pick #18 von den Texans gedraftet worden.
Runde 2 - OLB Cliff Avril (Purdue) - 6'2 7/8'' - 253 lbs.
Ganz anders als mit dem Pick in Runde 1 lief es mit unserem Zweitrundenpick. Zwar waren auch hier zunächst recht viele Namen im Gespräch: DT Trevor Laws (Notre Dame), LB Philip Wheeler (Georgia Tech), WRs James Hardy (Indiana), Andre Caldwell (Florida) und Devin Thomas (Michigan State), OLB Cliff Avril (Purdue) sowie DE Calais Campbell (Miami). Auch ein Downtrade wurde erwogen, aber leider gingen die Spieler, die von möglichen Tradepartnern ins Auge gefasst wurden, zu früh weg.
Gerade die Diskussionen um einen WR an dieser Stelle zeigten, wie unterschiedlich diese Draftklasse auf WR bewertet wird. Diese Differenzen in den Einschätzungen ließen einen Spieler dann rcht schnell in den Folkus des Interesses gelangen: OLB Cliff Avril. Zwar gibt es auch bei ihm, wie bei fast allen Spielern, einige weniger euphorische Stimmen. Aber seine Arbeitseinstellung, seine Intelligenz und seine Athletik machen ihn für mehrere Beobachter zu einem potenziellen Pro Bowler, wenn er in einer 3-4 als Pass Rushing OLB spielt. Seine Stärke liegt nämlich eindeutig im Pass Rush, und da brauchen die 49ers ein Upgrade. Sowohl die letztjährige FA-Erwerbung Tully Banta-Cain als auch Parys Haralson (Fünftrundenpick 2006) zeigten bisher zu wenig, und ein Upgrade ist von daher dringend erforderlich.
Avril gilt jedoch nicht nur als hervorragender Pass Rusher, sondern auch als ein Spieler, der sehr schnell lernt, und der demzufolge früh in der Lage sein dürfte, sowohl gegen den Lauf gut zu spielen als auch z.B. einen TE zu covern. Ihm schadete sicher auch nicht, dass sein College (Purdue) auch als Schmiede für gute LB gilt. Diese Einschätzung war es dann auch, die den "Verlust" von DE/OLB Quentin Groves (ging an #30 an die Jets) weniger schlimm aussehen lässt.
Runde 3 - WR Donnie Avery (Houston) - 5'11'' - 192 lbs.
Mit OT Gosder Cherilus und DE/OLB Cliff Avril hatten wir bereits zwei große Needs des Teams bedient -- Offensive Line und Pass-Rush.
Unser Board in Runde drei war breit gefächert von Offensive Linemen wie Mike McGlynn und John Greco, über Inside Linebacker wie Patrick Wheeler oder Beau Bell, bis hin zu Defensive Linemen wie Red Bryant und Ahtyba Rubin. Wide Receiver Andre Caldwell war ebenfalls hoch im Kurs, aber wurde uns kurz bevor wir zum Zug kamen weggeschnappt.
Als dann der Scouting Report über Wide Receiver Donnie Avery von NFL Draft Scout die Runde machte, fanden viele ihren Pick.
Grundsätzlich werden Avery in allen Scouting Berichten sein Top-Speed -- die 40-Yard Dash lief er in 4,34 Sekunden --, seine guten Hände und Fähigkeiten als Returner angerechnet. Auch seine Produktivität spricht für ihn -- in seinem Senior-Year hatte er 91 Catches für 1456 Yards und 7 Touchdowns.
Seine größte Stärke dürfte Wirklich darin liegen, Bälle zu fangen. Er attackiert Bälle und soll diese nur sehr selten nicht mit den Händen fangen. Seine Athletik und Sprungkraft machen ihn außerdem zu einer Deep Threat, da er tiefe Bälle sehr gut einschätzt und sie oft an ihrem höchsten Punkt aus der Luft pflückt.
Allerdings sieht z.B. Scott Wright von nfldraftcountdown.com physische Schwächen. Er meint, dass Avery Probleme mit aggressiven und körperlich starken Defensive Backs in der NFL Probleme haben könnte. Er soll auch nicht gerne über die Mitte gehen und Hits von Safeties oder Linebackern einstecken, und wenige Yards nach dem Catch produzieren. Blocking zählt ebenfalls nicht zu seinen Stärken, wobei das FO der 49ers gerade auf solche Tugenden wertlegt. Mehrere Scouts kreiden ihm auch an, dass er keine besonders guten Routen läuft.
Der Scouting Report der Sporting News sieht bei ihm jedoch Upside und besagt, dass er, sobald er etwas an Muskelmasse zugelegt hat, ein adäquater Blocker sein und keine Probleme mit aggressiven Defendern mehr haben wird. Hier bekommt er im Gegensatz zu Wright, der Avery eher als Returner und #3 oder #4 Receiver sieht und in Runde drei ansiedelt, sogar ein First Round Grade.
Diskussionen ergeben sich bei diesem Pick nicht nur wegen Averys Physis und Routrunning, sondern auch wegen der WR-Situation der 49ers.
Das Team hat Momentan fünf Wide Receiver (#83 Arnaz Battle, #88 Isaac Bruce, #89 Jason Hill, #82 Bryant Johnson, #18 Ashley Lelie) unter Vertrag, von denen drei (Battle, Bruce und Bryant) ihren Platz auf dem Roster sicher haben.
Der letztjährige Drittrunder Jason Hill und der ehemalige Erstrundenpick Ashley Lelie verfügen beide über die Schnelligkeit, um gegnerische Defenses auseinanderziehen und den tiefen Ball zu fangen, wobei beide größer als Avery sind und zumindest Hill 5 kg mehr auf die Waage bringt. Insbesondere wenn man noch Vernon Davis mit seiner 4,38 in der 40 Yard Dash dazuzählt, bringt Avery also keine neue Dimension ins Receiving-Corps der 49ers.
Für ihn spricht aber letztenendes, dass die 49ers nur über einen alten Returner in Allen Rossum, der als Defensive Back wohl nur als absolute Notlösung das Feld sehen würde, verfügen, und Bruce, Johnson und Lelie nach der Saison 2008 alle nicht mehr beim Team sein könnten. Johnsons und Lelies Verträge laufen bereits 2009 wieder aus, und Isaac Bruce ist mit seinen bald 36 Jahren und 15 NFL Saisonen schon am Ende seiner Karriere angelangt.
Mit Donnie Avery bekämen die 49ers also einen guten Returner mit Upside als Wide Receiver, auf Kosten eines Offensive oder Defensive Linemans mit Starterpotenzial.
Ein Pick für die Zukunft, der wegen der Situation um Mike Nolan, der dieses Jahr Ergebnisse liefern muss, eher unwahrscheinlich ist. Gegner gab es ebensoviele wie Befürworter im Team der Mockdraft, und so fiel, wegen Unfähigkeit der Gegner des Picks sich auf einen Mann festzulegen, die Wahl schließlich auf Donnie Avery.
Runde 4 - QB John David Booty (USC) - 6' 2 3/8'' - 218 lbs.
Nachdem wir in der dritten Runde Donnie Avery geholt hatten, aber eigentlich mindestens zwei Offensive Linemen aus dieser starken Klasse und einen Defensive Lineman mit Starterpotenzial wollten, befanden wir uns in Runde vier in einer Zwickmühle.
Unsere zwei topgerankten Offensive Linemen Mike McGlynn und John Greco waren ebenso vom Board wie die Defensive Linemen Red Bryant und Ahtyba Rubin mit denen wir schon in Runde drei geliebäugelt hatten.
Es drängten sich noch Inside Linebacker wie Beau Bell und Jonathan Goff auf, allerdings waren nicht alle der Meinung, dass diese Spieler aus Sicht der 49ers einen Viertrunder wert seien.
Einige des Draftteams hatten schon in der Runde zuvor mit der Idee Quarterback André Woodson zu draften gespielt, und so war es kein Zufall, dass die selben auch ihren Mann gefunden hatten, als der Name John David Booty von der USC fiel.
Zu Booty gibt es verschiedenste Scouting Berichte, wobei sich alle einig sind, dass er über keinen starken Arm verfügt. Angerechnet werden ihm jedoch sein Quick Release und seine präzisen Würfe.
Seltsamerweise scheiden sich die Geister einerseits über seine Wurfmechaniken, denn Scott Wright beispielsweise sieht diese als eine seiner Stärken, während Drew Boylhart gerade da Verbesserungspotenzial sieht, und auch einen Grund für seinen eher schwachen Wurfarm. Andererseits wirft Wright Booty vor, nicht gut unter Druck zu spielen und von starken Mitspielern profitiert zu haben, was Boylhart ganz gegenteilig sieht und extra hervorhebt, dass Booty eine Saison lang mit einer grottenschlechten Offensive Line, ohne Running Back und mit Freshman Wide Receivern zurechtkam. Laut Boylhart hatte Booty also weder großartige Unterstützung seiner Mitspieler, noch Probleme mit Druck umzugehen.
Uneinig sind sich beide außerdem bei ihrer Einschätzung von Bootys Stellung in der NFL. Wright sieht zwar die Möglichkeit, dass er ein NFL-Starter wird, hält ihn aber eher für einen guten Back-Up. Boylhart schlägt da schon eine ganz andere Richtung ein und sieht Booty mit Matt Ryan als einen der zwei Top-Quarterbacks dieser Draft.
Abseits dieser Informationen wirft sich natürlich die Frage auf, was ein Team wie die 49ers, das mit Alex Smith, Shaun Hill, J.T. O'Sullivan und Drew Olson insgesamt vier Quarterbacks unter Vertrag hat, von einem Rookie auf dieser Position hat.
Alex Smith steht ebenso wie Mike Nolan vor einem entscheidenden Jahr. Er muss eine starke Leistung bringen, oder ist zumindest bei den 49ers Geschichte. Aber selbst wenn er seine Karriere herumreißt, ist es nicht gesagt, dass er beim Club bleibt. 2009 zählt er bereits mehr als elf Millionen Dollar gegen das Salary Cap ein Jahr später werden es 13 sein. Man wird sich demzufolge nach der nächsten Saison von ihm trennen oder einen neuen Vertrag mit ihm aushandeln; dass dies auch gelingt ist nicht gesagt.
Shaun Hill hat als 6-Jahresveteran letzte Saison seine ersten Regular Season Snaps und Starts gehabt. Er hat auch öfters kleinere Verletzungen, die ihn beim Werfen behindern. Er gewann zwar zwei Spiele als die Saison für die 49ers gelaufen war, aber beide Male blieb er unter 200 Yards Passing und seine Yards pro Passversuch waren mit 5,1 und 7,0 auch nicht berauschend. Die Offense der 49ers sah im übrigen auch anders aus als zuvor und orientierte sich eher an kurzen Pässen. Sollte sich herausstellen, dass Smith der Franchise Quarterback ist, oder Hill bestenfalls zum Back-Up taugt, dürfte sein neuer Vertrag auch etwas zu hoch sein, um ihn zu behalten, zumal er nicht jünger wird.
J.T. O'Sullivan war letzte Saison noch ein Lion und nahm dort unter dem jetzigen 49ers Offensive Coordinator Mike Martz erstmals Regular Season Snaps. Mit seinem Rating von 48,2, lediglich 50% Completion Rate und nur 5,7 Yards pro Pass konnte er angesichts der starken WR in Detroit nur sehr bescheidene Zahlen liefern.
Drew Olson hat noch kein Down in der NFL gespielt und wird aller Vorraussicht nach gecuttet werden, und nicht zum Team zurückkehren, da er nicht mehr auf die Practice Squad kann.
Man sieht also, dass die 49ers im schlechtesten Fall im Jahre 2009 ohne Quarterback dastehen, und im besten mit einem teuren Starter mit fragwürdigen Back-Ups. Wie bereits erwähnt, haben die 49ers OC Mike Martz verpflichtet. Martz gilt als Quarterbackguru, und wenn es die drei unter ihm nicht schaffen, dann kann man annehmen, dass sie es wohl nie mehr werden.
Allerdings bietet sich gerade deshalb die Chance an, einen Quarterback mit Potenzial in einer der mittleren Runden zu draften, und diesen dann ein ganzes Jahr lang unter Martz nur an der Sideline zusehen, -hören und lernen zu lassen. Nach diesem Jahr kann man sich dann ein sehr gutes Bild von diesem Spieler machen. Das könnte es den 49ers ersparen, in der nächsten Draft wieder einen Quarterback in Runde eins draften zu müssen.
Gegen Booty sprachen natürlich die großen Needs in der Offensive und Defensive Line. Gerade weil dies Mike Nolans 'Do-Or-Die-Year' ist, dürfte es auch äußerst unwahrscheinlich sein, dass die 49ers tatsächlich diesen Weg einschlagen. Das Team braucht in dieser Hinsicht Soforthilfe in den Lines und da hätte man in der vierten Runde eventuell noch jemanden mit Starterpotenzial gefunden, und es hätte für die Saison 2008 vermutlich mehr gebracht, selbst wenn dies bedeutet hätte den entsprechenden Spieler etwas zu hoch zu draften.
Letztenendes konnten sich gleich viele Leute aus dem Mockdraftkommitee mit Booty und dem Konzept bzw. den Überlegungen dahinter überhaupt nicht anfreunden, wie es Befürworter gab, und so entschieden die eher neutralen, wie schon bei Donnie Avery, die Vorgehensweise.
Runde 6 - OG/OT Robert Felton (Arkansas) - 6'3 5/8'' - 315 lbs.
Mit dem fünften Draft Pick wollten wir erneut die großen Needs der 49ers adressieren. Und das waren auch nach den ersten vier Picks weiterhin die OLine und die DLine. In der OLine fehlte weiterhin ein guter Backup Guard und in der DLine fehlte die Depth auf der LE und auf der NT Position. Ein vernünftiger NT war allerdings auf dieser Position nicht mehr verfügbar. Somit ist die Entscheidung zwischen einigen Guards und einigen 3-4 DEs gefallen. Als DEs wurden unter anderem Keilen Dykes, Nick Hayden und Carlton Powell diskuttiert. Bei den OLinern waren Kory Lichtensteiger, Breno Giacomini, Chester Adams, Robert Felton und Mike Gibson in der engeren Auswahl.
Die Wahl fiel schliesslich auf Robert Felton von der University of Arkansas. Felton glänzte im College vor allem als Run Blocker. In der Senior Bowl Woche hatte er im Passblock einige Probleme mit schnellen Defensive Lineman, aber als Run Blocker konnte er auch dort dominieren. Trotz der Schwächen im Passblock war er aus unserer Sicht der beste noch verfügbare Guard Prospect.
Runde 7 - DE/DT Marcus Dixon (Hampton) - 6'4'' - 292 lbs.
Bei einem Siebtrundenpick kann man eigentlich gar nicht viel falsch machen. Man sucht sich einen Need oder hat noch jemanden auf seinem Draftbord, der aus dem einen oder anderen Grund als interessanter Prospect gesehen wird. Ein so spät gezogener Spieler, der es wirklich längerfristig ins Team schafft, ist ein echter Bonus.
Es standen daher Spieler unterschiedlicher Positionen zur Diskussion. Allerdings war schon in Hinterkopf, dass die O-Line bereits mehrfach adressiert wurde und die D-Line noch immer nicht vollständig zufriedenstellend besetzt ist.
Hier war bereits recht früh der Name Marcus Dixon in den Raum geworfen worden. Er spielte vier Jahre an der Hampton Univcersity, einem Div 1-AA (oder wie immer das jetzt neuerdings heißt) der Mid-Eastern Athletic Conference. Eigentlich hatte er ein Angebot von Vanderbilt aus der SEC, aber er wurde vor Beginn seines Scholarships zu zehn Jahren Gefängnis wegen angeblicher Vergewaltigung einer Minderjährigen veruteilt. Wie sich rausstellte, war es aber einvernehmlicher Sex und das Urteil wurde nach 15 Monaten aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Vanderbilt sein Angebot natürtlich zurückgezogen.
Was aber geblieben ist, ist sein Talent. Er ist ein harter Arbeiter und war einer der Leader der Pirates Defense. Darüber hinaus sind seine körperlichen Voraussetzungen ideal für das Defense-System der 49ers. Seine Stärken sind das Lesen von Plays und das Tackling.
Auf der anderen Seite ist seine Technik noch nicht ausgereift und ihm fehlt Erfahrung gegen die Top Spieler. Es ist aber zu hoffen, dass sein Talent durch gutes Coaching voll ausgenutzt werden kann.
Das Risiko, Dixon an dieser Stelle zu nehmen, ist gering. Außer dem einen Vorfall hatte er keine Probleme außerhalb des Footballfeldes und sein Talent rechfertigt eine Verpflichtung über die Draft.
Es ist aber noch unklar, ob er wirklich sofort einen Platz im Team bekommt oder er den steinigen Weg über die Practice Squad gehen muss.
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